Ich will nichts sagen – Die Abgeordnete Christel Voßbeck-Kayser

Der mündige Bürger ist für Abgeordnete und ihr Selbstverständnis nicht immer ganz einfach. Offenbar ist auch für die Christel Voßbeck-Kayser, westfälische Abgeordnete der CDU, es nicht ganz einfach zu ertragen, wenn sie gefragt werden, was sie auf Dienstreise gemacht haben und welche Erkenntnis sie aus dieser Reise gewonnen haben.

Voßbeck-Kayser hatte mit dem Petitionsausschuss Anfang Oktober 2015 Japan besucht. Es stellt sich an dieser Stelle die grundsätzliche Frage, was der Petitionsausschuss außerhalb des Bundesgebietes zu suchen hat – er schließlich das Gremium, welches sich um die Anliegen der Bürger kümmern soll. Das diese weitgehend in Japan liegen, ist daher zumindest eine Rückfrage wert.

Durch den Bundestag selbst ist erfahrungsgemäß relativ wenig zu erwarten und deshalb haben wir auch hier wieder die Abgeordneten direkt gefragt. Antje Lezius, Mitglied der SPD-Fraktion, hat auch rasch geantwortet. Auch wenn man inhaltlich die Antwort unterschiedlich bewerten kann, so ist dies ein erster Schritt.

Anders die Abgeordnete Voßbeck-Kayser, die sich in ihrer ersten Legislaturperiode befindet. Sie antwortet zunächst grundsätzlich nicht via abgeordnetenwatch.de, sondern hat sich auf eine Standardantwort eingerichtet. Wir wollten es dabei nicht bewenden lassen und fragten deshalb die Abgeordnete direkt. Anstatt einer Antwort, erhielten wir eine Gegenfrage:

Sehr geehrter Herr Sommer,
vielen Dank für Ihre E-Mail vom 21. Oktober 2015.
Gerne werde ich sie beantworten.
Bitte übersenden Sie mir hierfür Ihre postalische Adresse.
Mit besten Grüßen,
Christel Voßbeck-Kayser, MdB

Und auf unsere Nachfrage, wofür bei unserer Anfrage eine Postadresse notwendig ist, erhielten wir noch einmal Post der Frau Abgeordneten:

Sehr geehrter Herr Sommer,
vielen Dank für Ihre E-Mail vom 21.10.2015.
Die Begründung für die Anforderung Ihrer postalischen Adresse finden Sie auf meinem Profil auf dem Portal abgeordnetenwatch.de. Hieraus ergibt sich, warum ich mit Ihnen auf postalischem Wege in dieser Angelegenheit in Kontakt treten möchte.
Mit besten Grüßen,
Christel Voßbeck-Kayser MdB

Für uns ergibt sich die Begründung nicht. Einen direkten Kontakt hat Frau Voßbeck-Kayser nur dann, wenn sie uns auch ganz persönlich treffen will – aber wir können uns kaum vorstellen, dass dies das Petitum der Unionsabgeordneten ist. Dann jedoch ist sowohl Email wie Post von der gleichen Direktheit und es gibt keinen Unterschied. Und die Vorteile liegen zudem auf der Hand: Email ist schnell, effizient und kostengünstig.

Es drängt uns deshalb der Eindruck auf, dass auch Frau Voßbeck-Kayser bewusst wird, dass eine Reise des Petitionsausschusses ins ferne Japan nicht wirklich zu den Aufgaben eines Abgeordneten zählt. Zu sehr erinnert die Reise an eine Lustreise von rund acht Tagen und die Ergebnisse im Vergleich zum Aufwand eher mäßig sind.

Schade, Frau Voßbeck-Kayser, wir hätten wirklich ein Interesse an Ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. Aber so müssen wir darauf verzichten und koennen nur hoffen, dass irgendwann auch der Bundestag mehr Transparenz richtig findet.

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Posted on October 22, 2015, in Christel Voßbeck-Kayser, Initiative, Japan, Transparenz and tagged . Bookmark the permalink. 1 Comment.

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